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    Loop Maschine

    by Jane is K.O.

    fast ganz ein techshit-Text
    (Der Originaltext stammt von 2006, ab und zu kommen neue Geräte hinzu.)

    Weltweit hipstes Musikinstrument zur Zeit: die Loopmaschine.

    Warum? Vielleicht, weil sie seit der Erfindung von Gitarrenverstärker

    und Synthesizer das wahrscheinlich erste Stück Musiktechnologie ist, welches fast jedem noch so unerfahrenen Benutzer Magie durch Wiederholung verspricht.

    Loop = Schleife = im Kreis herum = linksherum/rechtsherum = vorwärts/rückwärts.

    Audiotischer Hospitalismus
    1995 kaufte ich meinen ersten Lexicon Jamman, eine Loopmaschine erster Generation, bis heute dank der genial einfachen Bedienbarkeit unersetzbar.

    Vergänglichkeit
    Ein Lexicon Jamman speichert nichts auf die Dauer.
    Machst Du ihn aus oder hältst in an, dann sind alle Deine Hineinspielereien einfach im Datennirvana verschwunden.
    Neu, bitte!

    Leute, die Kram immer wieder gleich spielen können/wollen (“Pros” und andere stoisch Gleichgültige ,-) , loopen das Gleiche unbeeindruckt nochmal.
    Alle anderen landen durch die scheinbare Unbill verlorener Daten wieder bei einer meist ungehörten, magischen Neuentdeckung.
    Auf diese Weise kommt vieles in der neuen, tollen Musik von heute vom Loopen. So loopst Du Dir etwas in die Maschine … und dann soll sie doch:

    Speichern
    feature junkie
    Die früher fehlende Speicheroption hat man durch eine Aufnahme der Loops auf einem Computer oder Bandmaterial ausgeglichen, zum Weiterfuddeln im Studio.
    Mittlerweile gibts Tonnen neuer Geräte ( Electrix Repeater, Boss rc1, rc20, rc50, rc-300, Electro-Harmonix 2880 etc., Digitech JamMan (zu langsam)), die auf Speicherkarten, über USB und weiss-ich-nicht-was festhalten, was sich hinterher niemand mehr anhört ,-)

    Data-inflation-devices.

    Nicht ganz. Ich habe einen Electrix Repeater, der auf bis zu 512 MB grossen CF Karten 999 16bit Loops mit 4 Tracks speichert, mit Timestretching, Pitchshifting, Reverse Loop und anderen, teils nützlichen Fremdworten. Er klingt okay, schnell loopen tut er nicht, aber immerhin: Loopmaschinen sind heute ein billiger, transportabler Bandersatz. Sie sind eben auch Playbackmaschinen.

    Weil Veranstalter kaum Geld für Gagen haben (wollen), Transportplatz und -gewicht gespart werden will, und der Hype des Operators mit dem Computer auf der Bühne vorbei ist, erweisen sich loopende Playbackmaschinen als kleine, geniale Mitnehmdinger. (Der Repeater ist aber nicht klein, deswegen lasse ich ihn oft zu Hause)

    Hören UND Sehen
    Neulich landete ich bei einem schönen Konzert der halbnorwegischen Wahlberlinerin Milenasong.
    Doch zu ihren magischen Liedern hätte ich lieber drei bis fünf Mitspieler gesehen, die ihre Loops live spielten.
    Nicht nur, weil das besser aussieht, sondern auch weil die Loops dann bei jedem Konzert neue wären.
    So macht es die australische Band The Necks. Diese Australien-Grammy-Preisträger spielen Loops live & über Stunden. DAS ist dann wirklich magisch!
    Speichernde Loopmaschinen erscheinen “disloziert”: die Musik, die Du hörst, ist nicht in dem gleichen Raum entstanden, in dem sie spielt. Das hat seinen eigenen Reiz, but i watch this issue.

    Ausserdem speichern Gitarre, Akkordeon, Klavier oder was weiss ich ja auch nüscht. Die speichernden und motorisierten Echtklaviere der 80er haben sich denn doch nicht durchgesetzt.

    Asynchron
    Was live & in Schleifen spielende Musiker wohl interessanter macht, als Loopmaschinen, ist wohl, dass sie nicht jede Schleife wieder identisch spielen. Gücklicherweise sind wir niemals absolut synchron, selbst wenn wir das Gleiche tun.

    Um der allzu perfekten Synchronisation aus dem Wege zu gehen, entstand kurz nach dem Jamman der Oberheim Echoplex (EDP), mit dem Du Loops verschiedener und selbstbestimmter Länge gleichzeitig spielen kannst. Ich hatte leider nie selbst einen, und sie werden nicht mehr gebaut.

    Eine vielsprechende Alternative hierzu ist der Looperlative LP1. Dieses unglaubliche Teilchen loopt 8 stereo Loops in 24bit asynchron oder synchron in konfigurierbaren Setups und wird auch noch durch seine Benutzer als Open Source mitentwickelt. Kostet aber die Welt (1.500 Dollar).

    _Techshit…
    Gewünscht habe ich mir so einen asynchronen Looper oft, doch ich spiele trotzdem lieber mit anderen echten Menschen Loops. Musiker wollen nicht operators sein, schon gar nicht auf der Bühne. Deswegen ist Kraftwerk auch weiterhin ganz weit vorne. (?)_

    Bedienbarkeit
    Eine Loopmaschine muss sofort und ohne zusätzliche Handgriffe (die Hände sind auf meinem Instrument, dammit!), also per Fussschalter und von irgendwelchen internen clocks unabhängig loopen können. Sonst ist sie im Konzert zu langsam und degradiert den Musiker zum Operator. Die einzigen Looper, die ich kenne, welche man kaufen kann und schnell genug sind, sind weiterhin der Lexicon Jamman, ausserdem der Boomerang. sowie die TC Electronic Ditto Looper. Die können so schnell loopen, wie Dein Fuß zweimal tippen kann. Eine Boss RC-50 oder RC-300 dagegen kann nicht weniger als 1.5 Sekunden loopen. Zu lahm :D

    … und ein paar Delays, zum Beispiel das DD-6 von Boss – als auch der Digitallooper-Selbstbau meines Spusis MS Wiesenfest. Dazu später mehr…

    Zukunft
    Gitarrenverstärker, Synthesizer, Computer & Loopmaschinen brauchen Strom. Strom kostet den armen Musiker Geld und auf der Wiese draussen ist auch gar keiner. Im Moment spiele ich vor allem akustische, teils selbstgebastelte Instrumente,

    gerne in Loops, live und als LooperLoop.
    Loopmaschinen werden getestet, die man auch mit Batterie betreiben kann. Das Jammen im Park macht Spaß, der Sound dieser Dinger ist allerdings eher mittelmässig bis beschissen (Boss RC-1, RC-20, RC-300).
    Und bei aller Unbill teurer Loopmaschinen, die teils den Klang töten oder durch komplizierte Bedienbarkeit das Musikmachen verhindern, erscheint ein Licht am Horizont, die Loopmaschine, die analog auf Bandmaterial aufnimmt. Unendlich-bit, verstehste?

    Der MS Wiesenfest schon wieder.
    Das noch unfertige Ding klingt bereits grosse Klasse. Es loopt, von einem Plattenspieler angetrieben, auf Bandmaterial (Floppy Disk/Ferro).

    So jetzt aber Schluss mit lustig. Back to musicmaking … hier noch ein paar Ressourcen:

    Tips
    Klang: Loopmaschine bei hohen Lautstärken und mit verzerrten Signalen testen. Moderne Looper klingen dabei sehr oft harsch und undifferenziert, abgesehen von z. B. diesen Geräten:
    Lexicon Jamman 1×12bit, synchron, mono (direct signal: stereo), Midi In/out, 1HE.
    Looperlative LP1: 8×24bit/32bit, asynchron/synchron, full stereo, Midi In/Out/Thru, 1HE.
    TC Electronics Ditto & Ditto X2.

    Links
    Alle Looper auf einen Blick.
    Lexicon Jamman Mods: Bob Sellon’s Jamman-Page
    Beste Looperseite der Welt: Looper’s Delight ( _riesiges Testarchiv, Mailingliste, das Site-Design sollte man einfach … ignorieren ,-)
    Looper’s Delight / Jamman Seite

    P.S.: Mit meiner alten Band Rope haben wir 1996 die ganze Band durch eine Loopmaschine geschickt, mit den Loops live weiter gejamt und den Grossteil zweier Alben damit gefuellt. Die Platten gibts auf Geist Records weiterhin.

    I hope you enjoyed this?


    1. jakob    16/09/14    #

      Hallo,
      wollte nur mal kurz Danke sagen für die Seite. Bin durch Zufall drauf gestossen. Wunderbarer und informativer Text.
      Danke !!
      Grüsse,
      Jakob

    2. Jane k    14/09/10    #

      Matthias! Dank für den Kommentar. Heutige Boss/Digitech-Looper nerven tatsächlich. Seltsam, wie sie dazu führen, sich vom Spielen aufs Playbacken zu verlegen – und genau dafür auch noch gekauft werden.
      Und das bei unvergleichlich schlecht gewandeltem Klang und kurzer Lebensdauer aller mechanischen Bedienelemente.

      Aber klar: Was machen wir? Die ersten, besten Looper weiterbenutzen. ::)) Klar ist es schade, daß der Lexicon Jamman keine asynchronen Loops macht.
      Doch der Klang von 12-bit Wandlern auf einer großen PA könnte kaum schöner dreckig sein. Sexy Matsch sozusagen.
      Für die asynchronen Loops mußte ich mir mittlerweile ein eigenes Dings in Max/MSP schreiben. Laserdave.
      Bildschirme helfen dem Spielen nicht, doch hier gehts auch NUR mit ner Wii Remote.
      Mal schauen wo das hinführt…
      Im Zweifelsfall zum Lexicon Jamman ;)
      Thanx again! JRP

    3. Matthias    26/05/09    #

      Hallo Jane!
      Witziger und informativer Text, gratuliere!
      Ich habe 1992 das LOOP delay entwickelt, das dann wenig verändert zum Echoplex DP wurde. Als ich es in Frankfurt ausstellte, schauten Leute von Lexicon genau hin, und erst einige Monate später kam der JamMan auf den Markt…
      Lexicon hat dann aufgegeben, als sie merkten wie schwierig es war den Kunden das loopen beizubringen. Man kann nicht einfach ein Demo abfahren, jeder muss es üben und erleben bevor er süchtig wird! Diese Arbeit hat die Loopers-Delight community übernommen.
      Das EDP kann leider nicht mehrere Loops gleichzeitig abspielen, wie du vermutest, dafür kann es multiplizieren, damit man mit einem kurzen Muster anfangen kann und dann längere darüber aufnehmen und dann wieder ein kurzes daraus ausschneiden. Und es hat BrotherSync, ein revolutionärer Sync port, der ohne Meister/Sklave auskommt und erlaubt, dass eine ganze Band in Sync spielt, egal wer anfängt. Bei Bedarf auch asynchron, aber synchron fetzt mehr und wirkt magischer, finde ich…
      Nach 13 Jahren hat Gibson aufgehört das EDP zu bauen und keinen unserer Vorschläge für einen Nachfolger aufgenommen. So macht jetzt halt Roland das Geld mit den “Sägezahn-Loopern”: Man baut lange auf, spielt ein Solo und stellt dann alles ab. Kein Reifungsprozess, keine Verwandlungen… Hoffentlich verleiden sie den Zuhörern das Loopen nicht!
      GOOT LOOP
      Matthias


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